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Landespolitische Forderungen der Landesverbände der Freien Musikszenen

Die Landesverbände der Freien Musikszenen schließen sich spartenübergreifend zusammen, um auf die Situation insbesondere der großen Zahl an freiberuflichen Musiker*innen in Niedersachsen aufmerksam zu machen. Zusätzlich wird es individuelle Papiere zu spezifischen Anliegen der Bereiche Rock/Pop, Klassik und Jazz geben.

Wir fordern das Land Niedersachsen auf, eine Vision für eine zukunftsfähige Musikkultur im Land zu entwickeln. Gerade eine starke freie Szene ist von solch einer Vision abhängig und für deren Umsetzung existentiell.

Offenkundig wird dies mit Blick auf die Corona-Pandemie, deren soziale, kulturelle und wirtschaftliche Folgen sämtliche Bereiche des Musiklebens (einschließlich deren Peripherie) langfristig beeinflussen. Berufsmusiker*innen und Akteur*innen der freien Musikszenen wurden in den vergangenen zwei Jahren in ihren Haupt- und Nebenerwerbstätigkeiten massiv eingeschränkt. Dies erfordert einmal mehr die Entwicklung langfristiger und nachhaltiger Unterstützungsstrukturen für die Musikkultur, um sie vor Langzeitschäden zu schützen, für kommende Krisensituation zukunftssicher zu machen und Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Die Freie Szene ist wichtig, weil

  • sie Motor für kreative und musikalische Innovation in Niedersachsen ist.
  • sie ein Experimentierfeld für neue Formen der Zusammenarbeit ist, strukturell und inhaltlich nah an gesellschaftlichen Entwicklungen arbeitet und so ein wichtiger Bestandteil der Vorstellung einer “Kultur von allen für alle” ist.
  • sie flexibel, kreativ und nah am Publikum agiert und durch freie Ensembles, Bands und soloselbständige Musiker*innen ein wichtiger Baustein der musikalischen Bildung ist.
  • ein Zukunftsmodell für den studentischen Nachwuchs von den Musikhochschulen in den Bereiche Rock/Pop, Jazz und Klassik darstellt und deren musikalisch-berufliches Spektrum erweitert.
  • sie gerade im Flächenland Niedersachsen in Kooperation mit institutionellen Veranstaltungsstätten, - initiativen, Festivals und Veranstalter*innen agiert und dort auch außerhalb der Metropolen Menschen mit Musikkultur in Berührung bringt.­

 

Forderungen:

Kommunikation

  • Wertschätzung und Anerkennung des Berufsbilds: Die Freien Musikszenen sind aus vielerlei genannten Gründen ein wichtiger und notwendiger Bestandteil der niedersächsischen Musikkultur. Wir fordern die Wahrnehmung und Anerkennung von Wert, Professionalität und Arbeitsrealitäten der Freien Szenen, die in Niedersachsen agieren.
  • Dialog und klare Zuständigkeiten: Die Landesarbeitsgemeinschaften der freien Klassik, Jazz und Rock vertreten die Interessen freiberuflicher Musiker*innen im Bundesland. Die Einbeziehung dieser Verbände bei kulturpolitischen Fragestellungen ist daher wichtig und erforderlich. Wir fordern einen konstanten Dialog und die Einbeziehung unserer Verbände bei kulturpolitischen Entscheidungsprozessen. Dafür erforderlich ist eine klare ministerielle und personelle Zuständigkeit für Belange soloselbständiger Künstler*innen, die wir im Ministerium für Wissenschaft und Kultur sehen.

 

Finanzen

  • Steigerung der Kulturetats unter besonderer Berücksichtigung der Freien Szenen: Niedersachsen belegt mit 76,57 Euro im Bundesvergleich einen der untersten Plätze in der Rangliste öffentlicher Kulturausgaben je Einwohnerin und Einwohner. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur in den Flächenländern beliefen sich laut dem letzten Kulturfinanzbericht auf durchschnittlich 108,78 Euro (siehe Kulturfinanzbericht 2020). Wir fordern, dass Niedersachsen innerhalb von fünf Jahren einen der mittleren Plätze im Bundesvergleich einnimmt. Im allgemeinen Ländervergleich entspricht dies Ausgaben in Höhe von 0,29 % am BIP bzw. 2,02 % am Gesamthaushalt.
  • Honoraruntergrenzen: Wir fordern die Einführung von Honoraruntergrenzen in öffentlich geförderten Projekten und Einrichtungen. Diese sollen in einer Richtlinie geregelt sein, die von dem für Kultur zuständigen Ministerium und den jeweiligen kulturellen Fachverbänden erarbeitet werden. Die bundesweiten Empfehlungen, die derzeit von der Kulturministerkonferenz erarbeitet werden, sollten dabei berücksichtigt werden.
  • Transparenz und Diversität in Gremien: Um unsere plurale Gesellschaft und ihre kulturelle Vielfalt in Förderentscheidung abbilden zu können, bedarf es paritätischer Gremienbesetzungen nach Vertretung verschiedener Genres, Geschlecht und Herkunft der jeweiligen Jury-Mitglieder. Förderentscheidungen sollten außerdem transparent und nachvollziehbar gemacht werden.

 

Infrastruktur

  • Strukturförderung von Spielstätten und Initiativen: Die Verbände beobachten und kommunizieren seit Jahren den stetigen Rückgang kleiner Kulturinitiativen und Spielstätten in den ländlichen Räumen, da einerseits Nachwuchs fehlt und andererseits bürokratische und finanzielle Hürden einen Fortbestand von Kulturvereinen, die existentiell wichtig sind für ein gesellschaftliches Zusammenleben, bedrohen.  Die Corona-Pandemie machte zudem deutlich, wie verwundbar die Kulturszene ist. Land und Kommunen müssen jetzt stärker in die Verantwortung gehen und vor Ort grundlegende Strukturen des Kulturbetriebs sichern – und zwar möglichst langfristig mit mehrjähriger Mittelzusage. Wir fordern eine finanzielle Absicherung von Spielstätten und Initiativen mindestens auf Vorkrisenniveau mit mehrjähriger Perspektive und die Fortführung der Ausstattung regionaler Musikvereine mit investiven Landesmitteln.
  • Erhalt und Schaffung von Probeorten: Für den Erhalt der kulturellen Infrastruktur sind Übungsräume ebenso wichtig wie Spielorte. Wir fordern den Erhalt und die Schaffung von Probeorten, um kulturelle Infrastruktur insbesondere im ländlichen Raum sicherzustellen.
  • Unterstützung der Verbandsstrukturen: Vor dem Hintergrund zahlreicher sozioökonomischer Herausforderungen stehen die freien Musikszenen vor großen Handlungsdruck und ihnen steht ein zwingend notwendiger Transformationsprozess bevor. Die Fachverbände nehmen (wie auch dem Entwurf des Kulturfördergesetzes zu entnehmen) hierfür eine wichtige beratende Rolle ein und sind außerdem in der Pflicht die Interessen der Musikszenen auf politischer Ebene zu vertreten. Um dieser Rolle gerecht zu werden, bedarf es in den häufig prekär aufgestellten Verbänden strukturelle Unterstützungsleistungen. Wir fordern die Bereitstellung finanzieller und qualifizierender Ressourcen für die Fachverbände der freien Musikszenen.

 

 Soziale Absicherung

  • Reform sozialer Absicherungssysteme: Die Corona-Pandemie verdeutlicht die schwierige soziale Lage von Künstler*innen, insbesondere Solo-Selbstständigen in der Musikkultur. Hier bedarf es einer Reform sozialer Absicherungssysteme. Besonderer Handlungsbedarf besteht in Hinblick auf die Stärkung der Künstlersozialkasse, die Absicherung von Künstler*innen im Fall unverschuldeter Auftragslosigkeit (wie z.B. durch höhere Gewalt) und die Anpassung der Einkommensbemessungsgrenze zur Grundrente, die unabhängig von der Corona-Pandemie für viele Künstler*innen zu hoch angesetzt ist. Wir fordern die Landespolitik auf, den Diskurs und die entsprechenden Anpassungen mit Nachdruck von der Bundespolitik einzufordern und ergänzende Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage von Künstler*innen und Vermittler*innen auf landespolitischer Ebene vorzunehmen. 
  • Gleichberechtigte Teilhabe: Wir fordern Unterstützungsleistungen, die Angehörigen benachteiligter Gruppen kulturelle Erwerbstätigkeiten ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise verbindliche Ziele zur Findung von Leitungspersonal aus marginalisierten Gruppen oder die Förderfähigkeit von Kinderbetreuung.

 

Bildung

  • Musikalischen Nachwuchs sichern: Wir fordern die Stärkung von Musikunterricht in Schulen sowie den Ausbau von Lehrangeboten an Musikschulen. Damit einher geht die Optimierung der Anstellungssituation für Lehrkräfte an den Musikschulen, die zu großen Teilen in prekären Honorarverträgen beschäftigt sind und keine ausreichende Wertschätzung für das Berufsbild Musikpädagog*in erfahren.

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